3. Aspekt der Achtsamkeit im Yoga: Wertfreies Beobachten

13. Mai 2013

Egal, ob auf der Yoga-Matte oder im Alltag: Wir sind oft so schnell mit dem Bewerten, dass uns häufig nicht einmal richtig bewusst ist, welche – neutrale – Beobachtung der Ausgangspunkt unserer Bewertung war. So finden wir Übungsabläufe, das Verhalten von Lehrer/innen, Menschen in der U-Bahn, Autofahrer/innen, unser eigenes Benehmen etc. gut oder schlecht. Im Yoga als Achtsamkeits-Praxis geht es darum, Bewertungen bewusst wahrzunehmen und auf die Situation zurückzuführen, die uns zu der Bewertung geführt hat. Wenn mir beispielsweise eine Übungsabfolge im Yoga-Unterricht nicht zusagt, ist die wertfreie Beobachtung lediglich die neutrale Beschreibung dieser Abfolge. Anstatt sie als gut oder schlecht zu bewerten, kann ich mit der Aufmerksamkeit bei mir bleiben und wahrnehmen, was das Ausführen der Abfolge in meinem Organismus bewirkt hat: Ich bin vielleicht danach nicht so entspannt, wie ich es mir gewünscht hätte. Es geht also darum, dass ich mich entspannt fühlen möchte! Das ist etwas anderes als die Behauptung, die Abfolge sei schlecht gewesen. Jedes Mal, wenn man Yoga praktiziert, kann man diese Art von Umdenken einüben.

von Isabella Welsch